Erhard Gottschalk

Das Informationsblatt „Frage-Zeichen“
In der Industriestadt Brandenburg waren – wie in vielen anderen industriellen Ballungsgebieten der DDR auch – die Umweltprobleme in den achtziger Jahren unübersehbar. Doch die Umweltbelastungen wurden nicht öffentlich thematisiert. Umweltdaten unterlagen der staatlichen Geheimhaltung. Während die Westmedien breit und kontrovers über die Problematik berichteten, schwiegen sich die Medien in der DDR über Smog, Gewässerbelastungen, Atomkraft und Luftverschmutzung aus. Die sich für Umweltfragen engagierenden Bürger wurden kriminalisiert und von der Staatssicherheit eingeschüchtert. Die Kirche bot Schutz und Möglichkeiten für eine unabhängige Friedens- und Umweltbewegung. In Brandenburg bildete sich im November 1983 ein kirchlicher Friedensarbeitskreis unter dem Motto „Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“. Zu den Begründern des Friedensarbeitskreises gehörte Erhard Gottschalk, der aktiv an der Herausgabe des Informationsblattes „Frage-Zeichen“ der Kirchengemeinde beteiligt gewesen war. Das Blatt befasste sich vor allem mit Themen über Frieden, Abrüstung und mit Umweltfragen. Letztere erlangten in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre immer größere Bedeutung, sodass 1988 der Friedensarbeitskreis die Gründung einer eigenständigen Umweltgruppe initiierte. Bei den Kommunalwahlen im Mai 1989 war die Umweltgruppe aktiv präsent. Auf Transparenten forderte sie unter anderem die Offenlegung von Umweltdaten. Dem Museum im Frey-Haus hat Erhard Gottschalk zwei Ausgaben des Informationsblattes „Frage-Zeichen“ für die Sammlung übergeben.